Verreist und zugenäht

Aus der Welt von Sandra Sommerlaune

Verwechslungsgefahr !

Statistisch gesehen hat jeder Mensch 7 Doppelgänger auf der Welt. So sagt es der Focus und Werweißnochwer. Dass ich zusätzlich auch noch DIE abbekommen habe, wo es woanders scheinbar wesentlich weniger optische Zwillinge gibt, ist wahrscheinlich ein ungeschriebenes Gesetz.

Ich weiß nicht wie oft ich angesprochen und ich beispielsweise gefragt wurde: „Sind Sie nicht das Kindermädchen von Familie XY aus Solingen ?“. Antwort von mir: „Nein, ganz sicher nicht“ Frau: „DOCH!!! Ich kenne Sie doch, guck mal Emil, das ist sie doch !“

oder auch:

„Sie sind doch die Sprechstundenhilfe bei Herrn Dr. XY! Ich habe schon die ganze Zeit überlegt woher ich Sie kenne. JETZT weiß ich es! Arbeiten Sie noch dort?“. Antwort: Nein, ich war nie Sprechstundenhilfe!

Manchmal gucken mich Leute komisch an und ich kenne mittlerweil genau die Frage im Kopf dahinter: „Woher kenn ich DIE nur ???“. Wenn ich diesen Blick sehe, renn ich schon los…

Aber leider gibt es nicht nur optische Zwillige, sondern auch Personenverwechslungen und nun ratet, wer in sowas schonmal verwickelt war?! RICHTIG !

Ich hatte seinerzeit einen Allerweltsnachnamen und einen Vornamen wie er halt zu einer bestimmten Zeit recht modern war. Dann ist dieser Nachname auch noch in Berlin ziemlich häufig vorkommend. Und Beides in Kombi heißt Ärger! So meine Erfahrung!

Es ging soweit, dass „ich“ sogar eine Vorladung vor dem Amtsgericht Wedding erhielt mit Androhung von Haft. Eine Person, die meinen Vor- und Nachnamen trug (sie führte zudem noch einen 2. Vornamen) hatte irgendwann ihrem Leben so richtig danebengegriffen und hatte Mietschulden in enormer Höhe, nicht gezahlte Versicherungsbeiträge, Versandhausschulden und und und… Diese Person wohnte zufällig mal in der gleichen Straße wie ich. Aber in einer anderen Hausnummer, hatte natürlich ein anderes Geburtsdatum und auch sonst eine andere Vita. Aber WEN interessiert das schon, wenn es dort Jemanden gibt, den man statt der untergetauchten Person nehmen könnte.

Zu lascheren Datenschutzzeiten mussten nur 3 Merkmale für eine Personenermittlung für Inkasso übereinstimmen. In diesem Fall wurde der Vorname, Nachname und Straßenname gewählt. Ein Abgleich von Geburtsdatum und Hausnummer fand dabei NIE statt !!!!!!!!! Somit wurde ich bombardiert mit Inkassoschreiben, Schreiben von Anwälten, von der JVA Tegel und letztendlich vom Amtsgericht Wedding.

Beim ersten Schreiben fiel ich noch aus allen Wolken, konsultierte einen Anwalt, der das Ganze schnell als Personenverwechslung enttarnen konnte. Das 1. Schreiben war glücklicherweise gleich das Amtsgerichtsschreiben, bei dem der Anwalt mir meine schweißnasse Hand halten konnte.
Bei allen anderen Schreiben wusste ich ja, was dahinter steckt. Aber dennoch ist es mehr als lästig, wenn ich immer wieder Inkassounternehmensschreiben im Briefkasten fand, man mich sogar anscheinend schon zu Hause aufgesucht hatte laut handschriftlichem Zettel im Briefkasten etc… Wenn ich mich am Telefon mit meinem schon lange anderem Nachnamen meldete, wussten die sogar schon WER ich bin. Dennoch riss es einfach nicht ab…

Ich schrieb ein Einschreiben an die Geschäftsleitung der Deutschen Post. Denn ALLE falschen „Informationen“ stammten tatsächlich aus der Datenbank der Deutschen Post wie ich immer wieder von den Inkassounternehmen erfuhr. Dies stritt die Deutsche Post ab. Erst nach dem Schreiben an die GF riss es endlich ab.

1 x kam dann noch so ein Ausreißer – 1 Tag später kam von der Inkassofirma sogar noch ein Entschuldigungsschreiben nebst „Geschenk“. Aber Dank der neuen Datenschutzgrundverordnung ist endgültig Schluss.

Ihr glaubt gar nicht, was mich das für Nerven gekostet hat. Jedes Schreiben brachte neue Aufregung und viele gefühlte Telefonate, in denen ich nicht ruhig bleiben konnte.

Fazit: Augen auf bei der Heirat und des führenden Ehenamens !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

© 2020 Verreist und zugenäht

Thema von Anders Norén