Strecke: E10
gefahrene km ca.: 100

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ auch wieder an diesem Tag. In diesem Fall muss der Vogel 2 Tickets für die Minentour fangen. Also früh raus aus den Federn -wie immer in diesem Urlaub ;-)- und nach dem ultimativ besten Frühstück was ich je hatte, ab ins „turistbyrån“ und hoffen, dass noch Plätze frei sind. Jaaaa… 2 Tickets bekommen und so konnten wir bis 14 Uhr noch was Anderes machen.

Wir fuhren im Ort herum um Fotos zu machen. Kiruna ist eine Tagebau-Stadt. Bis spätestens 2030 wird der Kern der Stadt um ca. 3-5 km versetzt. Jaaaa, richtig gelesen. Die Stadt wird versetzt. Einige Bereiche wurden schon neu gemacht. So der Bahnhof der Stadt. Das schöne alte Bahnhofsgebäude steht nun völlig vereinsamt am neuen Stadtrand. Die Gleise sind weg ..irgendwie schon ein wenig gruselig. Ein schöner neuer Bahnhof entstand dafür an anderer Stelle.
Im Touristbüro stand ein Modell der Stadt wo genau aufgeführt wurde welche Teile versetzt werden. Die Bewohner der Stadt werden mit dem Verkehrswert +25 % abgefunden. Das wurde schon in anderen Städten so gehandhabt und funktionierte wohl sehr gut.
Wir haben uns vorgenommen in 10-15 Jahren dort noch mal hinzufahren und zu gucken, was aus der Stadt geworden ist. Unser Hotel und die Kirche sowie das Stadthaus fallen dem Bergbau auch zum Opfer. Allerdings wird die Kirche versetzt. Wenn nicht in einem Stück, dann in Mehreren. Ist schon ne krasse Sache.
Wir fuhren aus der Stadt und sahen uns die Gegend an und machten an einem reißenden Fluss noch Fotos.
Um 13:45 Uhr sollte der Treffpunkt vor dem Touristbüro sein zur Abfahrt in die Mine. Also mussten wir uns ein wenig beeilen.
Pünklich waren wir am Sammelpunkt. Der Bus stand auch schon bereit und eine bunt gemischte Truppe Leute… Dann kamen 2 junge Damen. Total aufgerüscht und gestylt… ich dachte ich gucke nicht richtig… Mit Mode-Schmuck behangen wie Weihnachtsbäume… Hey, wir fahren in eine MINE!!!!
Der Bus war voll und dann ging es los. Der Eingang zur Mine war noch beleuchtet und dann wurde es stockduster. Eine schmale Straße führte abwärts…. Ab und an kam uns ein Auto entgegen. Verdammt schmal sag ich nur. Ich fragte mich dann, was passiert wenn man ne Panne hat dort unten oder die Elektronik im Auto spinnt und alle Lampen plötzlich aus sind…. Gruuuuusel. Wir fuhren und fuhren. manchmal bogen wir ab. Keine Ahnung. Aber es ging abwärts

Im Besucherzentrum angekommen gab es noch ne Einweisung. Das Übliche, Helm tragen, nicht verschwinden, wenn Dringlichkeit zum WC besteht NUR mit Abmeldung. Gutes Stichwort – und schon musste der Erste!
Wir befanden uns in einer Tiefe von 540 m. Das ist schon ein komisches Gefühl so viel Erde über sich zu wissen.
Die Gruppe wurde geteilt. Englisch oder Schwedisch. Wir mussten uns entscheiden. Wir wählten Englisch. Die Gruppen waren in etwa gleich groß und somit konnten wir loslegen. Wir erfuhren Vieles über die Geschichte, über das Werk LKAB ( Luossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag). Luossavaara und Kiirunavaara sind die 2 Berge dort und Aktiebolag bedeutet Aktiengesellschaft. Wir sahen einen Imagefilm über LKAB in dem die Abkürzung gefühlte 20.000 Mal vorkommt. Wenn ich nachts laut die Abkürzung schreien sollte, verarbeite ich den Imagefilm.
Wir erhielten noch eine Tüte mit Produktproben aus dem Hause und ich muss sagen nach dieser Besichtigung bin ich der totale Fan von LKAB.

Die Abbautiefe liegt mittlerweile bei einer Tiefe von 1365 m. Ich fragte dann noch wie das sei mit den Arbeitern, wie kommen sie runter. Also da gibt es die Werksbusse die runterfahren und man kann aber auch mit dem eigenen Auto runterfahren. Die Einfahrt bis zum Arbeitsplatz dauert eine halbe Stunde (!!!) Eine halbe Stunde Fahrt unter Tage!!! Die Minen-Arbeiter dort verdienen wohl sehr gut und arbeiten 7 Tage und haben dann wieder 7 Tage frei.
Nach einer Art Museumsrundgang zum Thema: Grube damals bis heute und einer Tasse Kaffee und Keksen war dann leider die Zeit auch um und wir fuhren mit dem Bus wieder „hoch“. Ich war absolut fasziniert und kann jedem Besucher von Kiruna nur zu dieser Tour raten!

Draußen mussten sich dann unsere Augen erstmal an das brüllende Sonnenlicht gewöhnen.
Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt und gingen Essen. Anschließend suchten wir noch für unser Bier einen Ort des Genusses. Und stießen auf ein Restaurant namens Landströms Kök och Bar. Wir öffneten die Tür und drinnen war es meeega voll. Wo kamen all die Leute her? Das Personal zapfte in Rekordzahlen Bier und entkorkte Weinflaschen. Ich traute meinen Augen kaum. Wir tranken unser Bier –Sigtuna Lazy Days– an der Bar und ließen so den Abend mit einem Spaziergang Richtung Hotel ausklingen.